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Grundlagen des Value Investing – mit Investieren in Einzelaktien zur langfristigen Altersvorsorge

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Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der speziell nach unterbewerteten Aktien gesucht und in diese investiert wird, da Value Investoren an den Wert einer Firma im Ganzen ,also an den Gesamtwert, glauben. Dieser Gesamtwert lässt sich nicht durch Aktienkursbewegungen erschüttern. Vielmehr steigt der Gesamtwert einer Firma über Zeit, so dass Value Investing eine Langzeitstrategie verfolgt. Damit sind 5-10 Jahre und länger gemeint.

  • Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Aktien ausgewählt werden, die scheinbar für weniger als ihren inneren Wert oder Buchwert gehandelt werden.
  • Value-Investoren spüren aktiv Aktien auf, die ihrer Meinung nach vom Aktienmarkt unterschätzt werden.
  • Value-Investoren folgen nicht der Masse und investieren langfristig in wertvolle Unternehmen.

Benjamin Graham – der Urvater des Value Investing

Benjamin Graham gilt als Urvater des Value Investings. Seine Bücher “Intelligent investieren” und “Wertpapieranalyse” gelten noch heute als erste Quelle für bestehende und angehende Value Investoren. Graham prägte die Aussage “Sei ein Investor, kein Spekulant.”

Graham sagt „Der disziplinierte, rationale Investor folgt weder den Entscheidungen der Mehrheit noch spielt er mit den Schwankungen des Marktes; vielmehr sucht er nach Aktien, die zu einem Preis unter ihrem inneren Wert verkauft werden, und wartet darauf, dass der Markt seine Fehler erkennt und korrigiert.”

Den inneren Wert erkennt Graham an der Analyse der Kennzahlen future cashflows, cash inflows und cash outflows. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass er sich ganz genau die Bilanzen eines börsennotierten Unternehmens anschaut für seine Analyse.

Er spricht sich dafür aus, dass die Value Investing Strategie vom Anleger verlangt, Preiszyklen einzelner Aktien oder Bewegungen des Marktes als Ganzes zu ignorieren. Stattdessen soll sich der Investor auf die Tatsachen konzentrieren, die die finanzielle Lage eines Unternehmens und sein zukünftiges Ertragspotenzial betreffen. Die einzige Konsequenz, die Graham den Marktbewegungen zuschreibt, ist, dass dadurch käufliche Aktien entweder schwieriger oder leichter zu finden sind.

 

Mr. Market – der manisch Depressive

Benjamin Graham prägte zudem die Figur des Mr. Market. Mr. Market ist für ihn der Aktienmarkt. Eine Figur mit manisch depressiven Zügen. Also zum einen himmelhochjauchzend und voller Elan und Energie in einer Zeit, wenn alle kaufen udn die Kurse ganz bullish nach oben steigen. Zum anderen hat Mr. Market aber auch seine tieftraurigen Tage. Tage, an denen der Depressive mit fallenden Kursen am Boden liegt und alles nur noch schlimmer werden kann. Sein Buch “Wertpapieranalyse” veröffentlicht Graham im Jahr 1935 zum ersten Mal. Dort beschreibt er den Aktienmarkt als einen höchst unlogischer Ort, an dem schafgleiche Teilnehmer der Herde folgen und kaufen, wenn die Preise steigen, und ebenso kopflos verkaufen, wenn die Preise fallen.

 

Value Investing und die Markteffizienzhypothese

Die Markteffizienzhypothese besagt, dass die Preise, die in einem Markt erzielt werden, sämtliche Informationen reflektieren, die in diesem Markt verfügbar sind. Value Investoren sind überzeugt, dass dem genau nicht so ist und der Markt nur ein Abbild einer Herde ist, die kauft bei Gier und verkauft bei Angst. Die Markteffizienzhypothese , kurz EMH, wurde 1970 von Eugene Fama als mathematisch-statistische Theorie der Volkswirtschaftslehre aufgestellt. Value Investoren sind der Überzeugung, dass diese Theorie keinen Sinn ergibt. Damit laufen Value Investoren gegen den Strom der akademisch ausgebildeten Volkswirtschaftler, die ebenfalls einer Herde gleich an die Wallstreet oder nach Frankfurt pilgern, um dort im Finanz- und Anlagemarkt ihr Unwesen zu treiben.

Value Investoren glauben, dass Aktien aus einer Vielzahl von Gründen über- oder unterbewertet sein können. zum Beispiel kann eine Aktie unterbewertet sein, weil die Wirtschaft sich schlecht entwickelt und die Investoren in Panik geraten und verkaufen.Corona hat Anfang März 2020 gezeigt, wie sich eine Massenpanik auf den Aktienmarkt auswirken kann. Die Aktienkurse purzelten alle nach unten.

Zum anderen kann eine Aktie auch überbewertet sein, weil sich die Anleger zu sehr für eine unerprobte neue Technologie begeistert haben. Psychologische Einflüsse können einen Aktienkurs aufgrund von Nachrichten, wie enttäuschenden oder unerwarteten Gewinnmeldungen, Produktrückrufen oder Rechtsstreitigkeiten, nach oben oder unten treiben. 

Warren Buffett und Value Investing

Warren Buffett, der Mann aus Omaha, kam über Grahams Buch “intelligent investieren” mit den Strategien des Value Investing in Berührung. Die Aufgabe des Value Investors besteht darin, sich bewusst zu machen, dass der innere Wert einer Aktie im Laufe der Zeit schwankt und dass Aktien im Verhältnis zu ihrem inneren Wert oft falsch bewertet werden. Die Investoren analysieren eine Aktie demnach so, als ob sie das gesamte Unternehmen kaufen wollen. Das erfordert ein ausgeprägtes Maß an eigenständigem Denken und kritischem Reflektieren. Graham nennt sechs wesentliche Analyse-Faktoren, die bei der Bewertung der Unternehmens-Performance zu berücksichtigen sind: Rentabilität, Stabilität, Wachstum, Finanzlage, Dividenden und Kursverlauf.

 

Buffett sagt „Man muss kein Experte sein, um zufriedenstellende Investitionserträge zu erzielen. Aber wenn Sie das nicht sind, müssen Sie Ihre Grenzen erkennen und natürlich sicher sein, dass Sie einigermaßen gut arbeiten. Halten Sie die Dinge einfach und halten Sie den Ball flach. Wenn Ihnen schnelle Gewinne versprochen werden, antworten Sie mit einem schnellen „Nein“.

 

Buffett vertritt den Standpunkt, dass Investitionen nicht etwas sind, was nur Experten tun können. Wenn Sie jedoch nicht die Absicht haben, sich auf die Dinge zu konzentrieren, in denen Sie Experte sind oder Experte werden wollen, sind Sie viel besser dran, wenn Sie einen Index kaufen und Aktienanlagen in Ruhe lassen. Value Investing setzt also eine gesunde Neugier an wundervollen Unternehmen voraus und die Motivation, diese Unternehmen richtig zu durchleuchten. Das funktioniert am besten mit Firmen, die man kennt und die vielleicht sogar Teil des eigenen täglichen Lebens sind. Klar, dass diese an der Börse notiert sein sollten. Buffett verfeinert Grahams Lehren ein wenig mehr und kommt zu folgenden Punkten.

 

Value Investing nach Warren Buffett

Um Buffetts Ansatz bei der Bewertung eines börsennotierten Unternehmens  anzuwenden, gelten vier Faktoren das Unternehmen, das Management, das Finanzprofil und der Marktwert.

Bedeutung

Aktien sind nur Teile von Unternehmen, also geht es im Value Investing darum, das Geschäft als Ganzen zu erfassen, als ob man die Firma insgesamt kaufen will.

Das Geschäft ist einfach und verständlich, mit einer konsistenten Betriebsgeschichte und guten langfristigen Aussichten. Das bedeutet, Du selbst kannst das Geschäftsmodell erfassen und verstehen. Wie eine Restaurantkette ihr Geld macht ist nachzuvollziehen. Wie ein Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz sein Geld verdient, puh. Preise sagen nichts über das Geschäft, die Geschäftszahlen selbst sagen mir etwas über das Geschäft.

Management

Das Management setzt sich zum Wohle der Shareholder ein, arbeitet transparent und hat nachweislich Ahnung von dem, was es tut. Die Manager sind gegenüber den Aktionären ehrlich über das Unternehmen, sie kommunizieren ihre Entscheidungen und räumen auch unternehmerische Fehlentscheidungen ein. In den USA sind shareholder letters, also Schreiben des CEO an die Aktionäre, ein guter Quell an Informationen. Buffett hat dies gegenüber den Shareholdern seiner Firma Berkshire Hathaway regelmäßig getan. Diese Briefe sind durchaus lesenswert für angehende Value Investoren.

Finanzielle Grundsätze

Betrachte die Eigenkapitalrendite des Unternehmens und nicht den Gewinn pro Aktie. Wähle ein Unternehmen mit einer hohen Gewinnspanne. Suche ein Unternehmen, das für jeden einbehaltenen Dollar mindestens einen Dollar Marktwert schafft. 

Sicherheitspolster

Bewerte das Unternehmen und stelle dann fest, ob es im Vergleich zu seinem Wert mit einem erheblichen Preisnachlass erworben werden kann.

Die 14 Punkte Checkliste des Value Investing zur eigenen Unternehmensanalyse

Wenn Du nun Lust bekommen hast, selbst zu starten, dann schaue Dir eine börsennotierte Firma an, die Dir Spaß macht und dessen Geschäftsmodell Du verstehst. Nutze die von Graham aufgelisteten Checkliste für deine Bewertung:

  1. Sei ein Investor und kein Spekulant.
  2. Kenne den Angebotspreis. 
  3. Durchsuche den Markt nach Schnäppchen.
  4. Kaufe die Formel, also das Unternehmen als Ganzes.
  5. Betrachte die Unternehmenszahlen mit Skepsis. 
  6. Stresse Dich nicht. 
  7. Mach Dir keinen Kopf über die Mathematik.
  8. Diversifiziere Teil I: 25 % Anleihen, 25 % Aktien und 50 % Mischung aus Aktien und Anleihen.
  9. Diversifiziere Teil II: Habe mindestens 30 verschiedene Beteiligungen.
  10. Halte im Zweifelsfall an der Qualität fest. 
  11. Dividenden sind ein Anhaltspunkt.
  12. Verteidige die Rechte der Aktionäre.
  13. Sei geduldig.
  14. Denke selbst nach.

 

“Der Preis ist das, was du bezahlst. Der Wert ist das, was Du dafür bekommst.”

Warren Buffett.

 

Ich hoffe, Dir ist die Strategie des Value Investing nun ein bisschen klarer geworden. Ich persönlich bin begeistert vom Betrachten der Firma als Ganzes und der Idee, mit einer Aktie mich in ein gesamtes Unternehmen einzukaufen. Viel Spaß beim Stöbern und Investieren!

 

Du möchtest mehr darüber erfahren? Dann nimm teil an unserem kostenlosen Live Webinar zum Value Investing am Freitag, den 10. Juli 2020 um 18 Uhr. Melde Dich jetzt hier an: https://www.meetup.com/aktien-investment-trading/events/mqpblrybckbnb/

 

 

Credits:
Photo by
Markus Spiske on Unsplash, „Warren Buffett“ by MarkGregory007 is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

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